Gesehen: “Sinn und Sinnlichkeit” von Georgia Oakley

Die neue Verfilmung des Literatur Klassikers “Sinn und Sinnlichkeit” hat große Fußstapfen zu füllen. Nicht nur Jane Austens ikonische Romanvorlage, sondern auch die vorausgegangene Verfilmung von 1995 mit dem einzigartigen Cast bestehend aus Emma Thompson, Kate Winslet, Hugh Grant and Alan Rickman hat seine eingefleischte Fangemeinde. Die Geschichte ist weitestgehend bekannt, daher hier die Kurzfassung.

Nach dem Tod ihres Vaters ist die Zukunft der Schwestern Elinor und Marianne Dashwood, in der neuen Verfilmung gespielt von Daisy Edgar-Jones und Esme Miles, sowie ihrer Mutter (Caitríona Balfe) und ihrer jüngsten Schwester Margaret (Bodhi Rae Breathnach) ungewiss. Ihre finanzielle Sicherheit hängt von der Güte ihres Halbbruders John Dashwood (Tom Brooke) ab. Er wäre auch durchaus bereit zu helfen, aber seine missgünstige Ehefrau Fanny Dashwood (Stacy Martin) überzeugt ihn langsam aber sicher davon, den Rest seiner Familie nahezu mittellos sich selbst und dem Heiratsmarkt zu überlassen. Eine Weile lebt die geteilte Familie unter gewissen Spannungen gemeinsam in dem Haus, das bisher das Zuhause der vier Dashwood Frauen war. Als er zu Besuch kommt, nähern sich die ruhige und beherrschte Elinor und Fannys Bruder, Mr. Edward Ferrars (George MacKay), an. Doch seine Mutter hat größere Hoffnungen für Edward als eine Verbindung mit der mittellosen Elinor.

Derweil begegnet die leidenschaftliche, ungestüme Marianne durch Bekannte Colonel Brandon (Herbert Nordrum). Auch wenn der Colonel auf seine zurückhaltende Art durchaus Interesse an ihr zeigt, weiß Marianne mit dem scheinbar leidenschaftslosen Mann nichts anzufangen. Sie ist stattdessen verzaubert von der ungezügelten Art des John Willoughby (Frank Dillane), der sich aber nicht ganz als der entpuppt, der er vorgibt zu sein.

Auf unterschiedliche Weise versuchen beide Schwestern ihren Weg in einer Welt zu finden, in der sie sich durch ihren Mangel an sozialem Ansehen und finanziellem Wohlstand fortwährend im Nachteil befinden. Auch wenn es oft so scheint, als hätten sie nur einander.

Wie meine Mutter so schön sagt: Filme, die im frühen 19. Jahrhundert spielen sind die einzigen, bei denen man es erträgt, wenn es in der Welt der Frauen ausschließlich um Männer geht. Wenn es das einzige ist, worauf dich deine Familie vorbereitet und wenn es das ist, was dein Wohlbefinden und deine Sicherheit für den Rest deines Lebens sichern soll, ist die Bedeutung absolut nachvollziehbar. Zum Glück hat Jane Austen ihren Charakteren schon damals eine ausgefeilte Persönlichkeit, Witz, Charme, Interessen und Lebendigkeit verliehen. Der Geist der Figuren überträgt sich von dem gefeierten Klassiker nahtlos auf die moderne Kinoleinwand.

Der Cast ist gut gewählt, die schüchterne Anziehung zwischen Daisy Edgar-Jones und George MacKay berührt einen tief. Darüber hinaus ist es erfrischend, auch weitestgehend bis dato unbekannte Gesichter in zentralen Rollen zu sehen. Kostüm und Szenenbild sind von einer schlichten Eleganz, die roh und natürlich wirkt. Fiona Shaw in der Rolle der befreundeten und entfernt verwandten Mrs. Jennings lässt einen mehr als einmal laut auflachen, oder zumindest in sich hinein glucksen. 

Die Geschichte ist viele Jahre alt und gleichzeitig allgemeingültig. Auch die neue Verfilmung hält sich nah an die Vorlage, entsprechend gab es nicht viel falsch zu machen. Aber auch die Umsetzung ist unaufdringlich, ästhetisch und herzlich. Dazu haben sicherlich auch die fast ausschließlich weiblichen Namen im Abspann beigetragen. Auch wenn es inhaltlich viel um die Männer geht, stehen die Schwestern und ihre Unterschiede eindeutig im Mittelpunkt, die sich manchmal bemühen müssen einander zu verstehen, sich doch unbestreitbar lieb haben und von der Sichtweise der anderen profitieren.

“Sinn und Sinnlichkeit” von Georgia Oakley startet am 15. Oktober 2026 in den deutschen Kinos