Laura Gibson und Dan Mangan im Interview: Wie aus einer arrangierten Indie-Ehe wahre Tour-Liebe wurde

Laura Gibson aus New York City und Dan Mangan aus Vancouver, Kanada, sind Label Kollegen, beide veröffentlichten im letzten Herbst auf City Slang ihre neuen Alben, Lauras „Goners“ und Dans „More Or Less“. Auf Anraten ihres Labels wagten die beiden ein Experiment und gingen gemeinsam auf Tour. Nicht als Haupt- und Voract, sondern im gleichberechtigten Doppelpack mit der gleichen Band. Was wie eine arrangierte Ehe began, entwickelte sich für beide Musiker zu einer bereichernden Erfahrung. Kein Wunder, denn wenn man die beiden auf der Bühne sieht oder im Gespräch erlebt, wird schnell deutlich, dass sie ihr Herz am gleichen Fleck tragen. Beim Rolling Stone Park Festival im Europa-Park Rust hatten wir die Gelegenheit, mit Laura und Dan ein bisschen zu plaudern. Und blicken gerne zurück auf dieses fast schon romantische Tour-Highlight des letzten Jahres.

Ihr seid zum ersten Mal gemeinsam auf Tour. Wie war das bis jetzt für euch?

Dan: Wir sind auf dem gleichen Plattenlabel und haben viele gemeinsame Freunde, hatten uns aber noch nie getroffen. Unser Label, City Slang, hat es vorgeschlagen. Unsere Alben kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus und wir dachten okay, machen wir das. Es war großartig bis jetzt.

Ich habe gelesen, dass ihr es anfangs als eine „arrangierte Ehe“ bezeichnet habt (beide lachen). Hat sich daraus inzwischen Liebe entwickelt?

Dan: Wir machen sehr viele Witze darüber.

Laura: Die Band kichert die ganze Zeit.

Dan: Wir haben wirklich viel Spaß auf dieser Tour. Jeder im Bus ist immer für einen Scherz zu haben.

Das heißt, ihr spielt auch mit der gleichen Band?

Laura: Ja, ich habe zwei Leute mitgebracht, mit denen ich in der Vergangenheit gespielt habe und Dan jemanden, mit dem er schon aufgetreten ist. Es funktioniert ziemlich gut.

Dan: Eine arrangierte Band-Ehe. Halb amerikanisch, halb kanadisch, in Europa.

Wie findet ihr den Europa-Park? Einige Künstler haben gestern auf der Bühne gesagt, dass sie die Location etwas seltsam finden.

Laura: Ich finde es lustig. Ich mag seltsame Orte.

Was ist der seltsamste Ort, an dem du je gespielt hast?

Laura: Oh, gute Frage.

Dan: Ich habe mal in Brighton in einem Aquarium gespielt. Das war seltsam. Hinter mir ist die ganze Zeit eine Schildkröte vorbei geschwommen.

Oh, das ist aber ein schönes Bild.

Dan: Ja, aber worüber man sich keine Gedanken macht ist, dass Aquarien die ganze Zeit einen Summton abgeben. Mmmmmmm…. Das macht es wirklich schwierig, dort Musik zu spielen.

Laura: Ich habe mal in einem Gefängnis gespielt.

Dan: Hast du, wirklich?

Laura: Ja, das war ehrlich gesagt die wundervollste Show, die ich je gespielt habe.

Dan: Männer- oder Frauengefängnis?

Laura: Männer. Sie waren unglaublich dankbar. Es gab dort immer ein Event pro Monat. Danach habe ich mit allen gesprochen, die bei der Show waren. Das Konzert fand in einem großen Auditorium statt, am Ende haben alle mit den Füßen gestampft und „Gibson! Gibson! Gibson!“ gerufen. Nach der Show kamen diese harten Jungs auf mich zu und haben mir gesagt, wie sehr meine Musik sie berührt hat. Das war wunderschön. Eines Tages würde ich gerne eine richtige Gefängnis-Tour spielen. Wenn man in einem Club spielt, sind die Tontechniker oft gelangweilt und abgestumpft. Dort hat man mir gesagt, sie mussten einen genauen Plan machen, wer was wann macht, weil alle sich darum gerissen haben, Aufgaben zu übernehmen.

Dan: Das heißt, die Gefängnisinsassen haben auch den Sound gemacht?

Laura: Sie haben alles organisiert. Sie haben im Gefängnis ein Musikprogramm auf die Beine gestellt und diese Konzerte organisiert.

Dan: Das ist so cool.

Laura: Ein bisschen schräg war, dass alle Toiletten dort offen sind. Du sitzt auf dem Klo und direkt nebenan sitzt auch jemand. Es gibt keine Privatsphäre. Wir haben dort auch zu Mittag gegessen.

Dan: Wie war das Essen?

Laura: Nicht gut. Aber es war wirklich eine besonderer Erfahrung. Ich denke sehr oft daran.

Und kannten die Häftlinge deine Musik?

Laura: Nicht wirklich. Wobei, ein paar haben gesagt, sie hätten mich im Radio gehört. Radio ist für sie glaube ich eine starke Verbindung zur Außenwelt. Alles was ich dort gesungen habe, fühlte sich so wichtig an, sie haben sehr gut zugehört. Das war mit keinem anderen Publikum zu vergleichen.

Dan: Wobei man sagen muss, dass wir mit unserem Publikum insgesamt sehr zufrieden sind. Montreal ist glaube ich eine der schwersten Städte der Welt, um Shows zu spielen. Es gibt dort so viel zu sehen, die Leute sind sehr verwöhnt.

Von Berlin sagt man das ja auch.

Dan: Oh, Berlin war toll für uns!

Wie reagieren die Leute in Deutschland auf dieses Konzept der gemeinsamen Tour? Man ist es hier ja eher gewöhnt dass einer der Vor- und der andere der Hauptact ist. Kommen die Leute immer pünktlich?

Laura: (lacht) Meistens. Es hat insgesamt gut funktioniert. Ich denke wir haben genau die richtige Schnittmenge, was unser Publikum angeht.

Dan: Wir sagen auch nie genau wer wann spielt, nur wann die Show anfängt. Bei den meisten Konzerten im deutschsprachigen Raum ist zuerst Laura aufgetreten, dann ich. In Frankreich haben wir es umgekehrt gemacht.

Und ihr spielt auch einen Song gemeinsam.

Laura: Nicht immer, aber wir haben einen Coversong gemeinsam gemacht, „Hang With Me“ von Robyn. Dan hat ihn schon einmal aufgenommen und wir haben festgestellt dass es gut funktioniert, wenn ich die Harmonien singe.

Gibt es etwas wovon ihr sagen könnt, dass ihr es so nicht erlebt hättet, wenn ihr nicht auf diese gemeinsame Tour gegangen wärt?

Dan: Ich habe noch nie mit jemandem eine Band geteilt. Das ist interessant.

Laura: Wir fühlen uns sehr wie ein Team.

Dan: Ich habe schon mit anderen Leuten getourt, aber dann war entweder ich der Hauptact und sie die Vorband oder auch umgekehrt. Ich erlebe es zum ersten Mal, dass man gemeinsam als Ensemble reist. Das ist etwas Besonderes.

Auf Tour kann man sich ja auch sehr einsam fühlen.

Laura: Oh ja. Wenn man alleine unterwegs ist, dann trägt man auch immer allein die Verantwortung für alles. Nicht nur logistisch, auch emotional. Du weißt einfach, dass du dich mehr kümmerst als alle anderen, weil es dein Ding ist. Auf die Art wie wir es jetzt tun eine Verbindung mit jemandem einzugehen ist schön. Wir teilen die Herausforderungen, denen wir uns als Künstler stellen müssen.

Dan: Wir sind auch eine Gruppe von Menschen, die gut zusammen findet. Keiner von uns feiert zu hart (lacht).

Laura: Genau! Alle immer so: Lasst uns ins Hotel gehen und es uns gemütlich machen!

Dan: Mitternacht schlafen wir alle. Es ist eine sehr entspannte Tour. Oft gibt es ja diese eine Person in der Band, die sich jeden Abend abschießen will. (Gelächter) Hier ist jeder sehr ruhig und wir haben viel Spaß miteinander.

Interview: Gabi Rudolph & Kate Rock

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