Gesehen: „Das Ende der Sterne“ (“The Dog Stars”) von Ridley Scott

Im stolzen Alter von 88 Jahren setzt sich Ridley Scott noch einmal auf den Regiestuhl. Siebenundvierzig Jahre sind seit dem Erscheinen von “Alien” vergangen, vierundvierzig seit “Blade Runner” und sechsundzwanzig seit dem ersten Teil von “Gladiator”, dem 2024 „Gladiator II“ folgte. Jetzt kommt der britische Regisseur mit “The Dog Stars” (”Das Ende der Sterne”) in die Kinos. Ist es ein Katastrophen-Film, eine Romanze, ein Horrorstreifen, ein Abenteuer? Man weiß es nicht.

Hig (Jacob Elordie), ein ehemaliger Mechaniker, lebt gemeinsam mit Bangley (Josh Brolin) in einem verlassenen Flugzeughangar in Colorado, auf einem Stück Land, das sie sich hart erkämpft haben und brutal verteidigen. Der Rest der Welt wurde von einem Grippevirus dahingerafft und verfällt stetig dem Chaos. Die Überlebenden misstrauen einander und versuchen, sich mit aller Macht gegen vermeintliche Eindringlinge zu schützen. 

Während Bangley auf einem beeindruckenden Waffenarsenal sitzt und Wache hält, durchstreift Hig gemeinsam mit seinem Hund Jasper in seinem kleinen Flugzeug die verlassenen Städte. Eines Tages empfängt er dabei ein fremdes Signal. Hig begibt sich auf die Suche nach einem Ort, an dem weitere Überlebende in Frieden beisammen leben. Auf seiner Entdeckungsreise trifft er auf fremde Gefahren, aber auch auf Cima (Margaret Qualley), die mit ihrem Vater in der Einöde (Guy Pearce) lebt.

Kann man noch einen weiteren plotlosen Film verkraften, der sich alleinig auf die vermeintliche Anziehungskraft von Jacob Elordi stützt? Die ersten dreißig Minuten sind unglaublich dröge. Jacob Elordi darf eigenbrötlerisch in seinem Flugzeug durch die Gegend fliegen und bedeutungsschwangere Sätze durch seinen dünnen Schnurrbart nuscheln. Die Erinnerungen an seine Vergangenheit begegnen ihm in Form seiner verstorbenen, schwangeren Frau, die in einem weiten Blümchenkleid andächtig ihren Bauch streichelt. Ein weiteres mehr als überstrapaziertes, klischeehaftes Bild. Um den Niedlichkeitsfaktor zu maximieren, hat man ihm einen anständigen Hund an die Seite gesetzt.

Nach etwa einem Drittel nimmt der Film glücklicherweise etwas Fahrt auf. An diesem Punkt ist es einem fast gleichgültig, dass die Begegnungen mit obskuren, wild gewordenen Menschenstämmen völlig überzogen und überholt sind. Hauptsache es passiert etwas. Glücklicherweise kündigt die musikalische Untermalung spannungsreiche Frequenzen weit im Vorlauf an, sodass man garantiert nicht überrascht wird. “The Dog Stars” vereint alles Gute und Schlechte, eben alles Bekannte aus vorausgegangen Weltuntergangsfilmen, unsauber angefangen und nur zur Hälfte zu Ende erzählt. Um eine Hintergrundgeschichte wird sich nicht bemüht, die Erwähnung der großen, ominösen Grippe ist schließlich ausreichend.

Das einzige Alleinstellungsmerkmal des Films ist vermutlich auch seine größte Stärke. Mit viel gutem Willen lässt sich darin der Versuch erkennen, den Abenteuergeist des alleinstehenden Mannes aufs Korn zu nehmen, der nicht wertschätzen kann, was er schon hat. Das Ende rundet das Ganze ab und stimmt etwas versöhnlicher. Dennoch erwartet einen als Zuschauer bis dahin ein weiter, steiniger Weg, der die Originalität von Ridley Scotts vorangegangenen Filme völlig fehlen lässt.

“The Dog Stars” von Ridley Scott startet am 27. August 2026 in den deutschen Kinos.