
José González geht es wie uns allen: er macht sich offensichtlich Sorgen um den Zustand der Welt. Auf seinem neuen Album „Against the Dying of the Light“ sinniert er über die dunklen Themen, die unsere Gesellschaft zunehmend beherrschen. Über rasant fortschreitende Technologien wie KI und die Gefahr, die Kontrolle darüber zu verlieren. Insgesamt der drohende, zunehmende Verlust des Menschlichen und wie wir dem entgegen wirken können.
José González ist ein Denker, jemand, der sich viel Zeit nimmt, seine Ideen zu formulieren. Sein letztes Album „Local Valley“ erschien vor mehr als fünf Jahren, vieles ist passiert seitdem, und trotzdem (oder gerade deshalb) erscheint „Against the Dying of the Light“ wie eine Art Fortsetzung. Die Natur, sowohl die äußere als auch unsere menschliche, innere, dient nach wie vor als Ausgangspunkt. Die Frage, die immer dringlicher wird ist, wie wir verhindern, dass wir uns immer weiter von ihr entfernen.
Das Wunderbare an José González ist, dass seine Musik für sich, völlig losgelöst vom Inhalt, wie ein Gegengift zu der Dunkelheit und dem Lärm funktioniert. Als würde man ein Fenster schließen und in völliger Ruhe zurückbleiben, jedoch ohne den Kopf in den Sand zu stecken. Achtsamkeit und Frieden liegen hier nah beieinander. Schon der Titel des Albums verrät, dass Fatalismus nirgendwo hin führt. Seine Musik kann, ganz in der Tradition des Folks, als Protestmusik verstanden werden – aber der Protest entsteht im Positiven, im Blick auf das Licht. „For every dusk, there’s a dawn“ singt er unter anderem. Es ist eine der ältesten und gleichzeitig universellsten Weisheiten, die aus seinem Mund nicht abgeschmackt, sondern ehrlich und beruhigend klingt.
Es ist auch dieser intellektuellen und emotionalen Tiefe zu verdanken, dass die Musik, die sich nach wie vor hauptsächlich aus Stimme und Gitarre zusammensetzt, nie banal ist. „A Perfect Storm“, der Opener des Albums, scheint genau diesen zu entfesseln, und es ist schwer zu fassen, wie ihm das mit derart reduzierten Mitteln gelingt. „Pajarito“, ein kurzes Stück, das González für seine Kinder geschrieben hat, wirkt trotz Pfeifen und reduzierten Akkorden alles andere als harmlos.
Ein weiteres, stilles Highlight ist „You & We“, das in seiner Einfachheit wie ein Mantra wirkt: „With all of my heart, I wish you well, with all of my soul, I wish you well“. Und auch im abschließenden „Joy (Can’t Help But Sing)“ ist die Message deutlich: „We’re still primates, who can’t help but sing“. Der Schlüssel zu einer besseren Zukunft wird nie aufhören, in Freude, Empathie und Menschlichkeit zu liegen. José González gibt uns mit diesem Album erneut ein Werkzeug in die Hand, uns daran zu erinnern. Er lässt aber auch keinen Zweifel daran, was wir dafür tun müssen: „Disconnect from every algorithm, every perverse incentive, that drags you down.“
