
Wer mich kennt der weiß, dass ich wahnsinnig gerne auf Konzerte gehe. Wann immer ich in eine andere Stadt reise, ist meistens die erste Frage, welches Konzert denn dort auf dem Programm steht. Und seitdem ich 2018 zum K-Pop gefunden habe, ist mein ohnehin schon breites Musikspektrum noch etwas größer geworden. Ende März brachte mich nun ein ganz besonders Highlight nach Berlin: das allererste Deutschlandkonzert von Tomorrow x Together (TXT).
Die fünf jungen Männer von TXT (Soobin, Yeonjun, Beomgyu, Taehyun und Hueningkai), hatten 2019 ihr Debüt als koreanische Idol Boyband und haben sich rasch als Sprachrohr der Gen Z etabliert. Mit Erfolgsalben wie “minisode 2: Thursday’s Child” und “The Name Chapter: TEMPTATION” stürmten sie die Billboard Charts. Als erste K-Pop-Band traten sie 2022 beim Lollapalooza Festival auf waren dort im nachsten Jahr sogar Headliner. Ausgezeichnet mit mehreren MTV EMAs und VMAs, spielten sie 2024 zwei ausverkaufte Shows im Madison Square Garden. Ihr jüngstes Werk, “The Star Chapter: SANCTUARY”, erreichte Platz 2 der Billboard 200 Charts und festigte ihren Status als eine der erfolgreichsten K-Pop-Gruppen weltweit.

Da TXT wie ihre “großen Brüder” von BTS bei HYBE Labels unter Vertrag stehen, habe ich ihre Karriere von Beginn an mit großem Interesse verfolgt. Ganze sechs Jahre sollte es dauern, bis sie nun im Rahmen ihrer „ACT : PROMISE – EP. 2 – IN EUROPE„- Tour ihr erstes Deutschlandkonzert in Berlin spielen sollten.
Tomorrow x Together präsentieren dort am Donnerstagabend ein visuelles und musikalisches Erlebnis, das in fünf Kapiteln eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Es beginnt mit “FIND THE NAME“, einem Wiedersehen unter Freunden und dem Blick zurück auf gemeinsame Erinnerungen. In “THE REALITY“ folgt der Bruch mit einer perfekten, aber vergänglichen Welt – und die Konfrontation mit der Realität. „GROWING PAIN“ führt durch die Herausforderungen des Erwachsenwerdens und die Suche nach Identität und vergessenen Träumen. In „I’LL BE THERE TOMORROW“ wird klar: Die Träume waren nie wirklich weg. Und mit „LAND OF PROMISE“ endet die Show emotional – mit dem Versprechen, sich an dem Ort wiederzutreffen, an dem alles begann.

Vom ersten Moment an waren die 17,000 überwiegend weiblichen Gen Z Fans voll am Start, quasi durchgehend war die Performance der Fans begleitet von begeistertem Mitsingen; und generell war der Lautstärkepegel sehr hoch. Man merkte richtig, wie sehr sich die Fans, die sich MOAs nennen (wobei MOA für “Moments of Alwaysness” steht), diesen Moment herbeigesehnt hatten. Meine persönlichen Highlights waren die beiden Songs, die unseren LA Trip 2021 tagtäglich begleitet haben, “LO$ER=LO♡ER” und “0X1=LOVESONG (I Know I Love You)”, beides zeitlose Hits, die ich auch in 20 Jahren sicherlich noch mit einem Lächeln im Gesicht hören werde. Denn so sehr ich auch ihre Choreografien liebe, am meisten reißt es mich mit, wenn TXT in die Indie/Alternative Richtung gehen – so auch bei “Anti-Romantic” und “Good Boy Gone Bad”. Als Überraschung performte Beomgyu zum allerersten Mal seinen neuen Soft-Rock Song “Panic”. Auch die anderen Bandmitglieder boten jeweils eine Soloperformance dar, besonders hervorzuheben wäre hier der energetische Auftritt von Yeonjuns Solo HipHop Song “GGUM” und ein durchaus beeindruckendes Drumsolo von Nesthäkchen Hueningkai. Zudem gab es extrem viel Interaktion mit dem Publikum, die Ending Ments, die Schlussworte der Jungs, waren tatsächlich fast 20 Minuten lang. Dort boten TXT ihre Deutschkenntnisse zum besten, was zu wahren Begeisterungsstürmen führte und richteten sich mit emotionalen Worten an die Fans. Taehyun erklärte, dass Berlin in seiner persönlichen Top 3 aller Konzerte sei. Nach 3 Stunden voller Power, in denen auch die Jungs sichtlich Spaß hatten, verließen sie nach zwei zusätzlichen Zugaben (“Magic” und der Debütsingle “Cat & Dog“) und einer ausgiebigen Verabschiedungsrunde die Bühne.

Auch ich hatte ohne Ausnahme eine großartige Zeit und war für ein paar Stunden völlig im Hier und Jetzt. Das gelingt mir zumeist bei allen Konzerten, die ich besuche, aber bei K-Pop Konzerten fühlt sich alles nochmal 100% intensiver an. Einziger Mini-Kritikpunkt, der mir einfällt wäre, dass mit “9 and Three Quarters (Run Away)” und “Chasing That Feeling” zwei meiner absoluten TXT Lieblingssongs leider nicht Teil der Setlist waren. Tomorrow x Together live zu erleben war ein Erlebnis, das ich nicht mehr missen möchte und hoffentlich irgendwann wiederholen kann, und das nicht erst in sechs Jahren.