
Es ist eine der kürzesten Pressekonferenzen, die wir jemals bei der Berlinale erleben dürfen. Gerade einmal zwei Fragen nimmt Charli xcx nach einem kurzen, moderierten Q&A entgegen, dann heißt es schon, sie müsse schnell weiter. Unter den anwesenden Pressevertretern macht sich Unmut breit. Eine riesengroße Zeitverschwendung sei das gewesen, schimpft jemand.
Die Enttäuschung rührt sicherlich auch daher, dass Charli xcx ein eher ungewöhnlicher Gast für die Berlinale ist und deshalb für ein breiteres mediales Interesse als gewöhnlich sorgt. Die britische Pop-Ikone präsentiert im Rahmen des Festivals ihr Leinwanddebüt, die Mockumentary „The Moment“. Und ein „365-Partygirl“ hat nunmal einen straffen Zeitplan. Während Charli, im sexy Mama-Monster-Outfit, bereits weiter rauscht, nimmt sich Regisseur Aidan Zamiri Zeit für die vor dem Hyatt Hotel wartenden Fans – und sorgt unter ihnen für überraschend viel Aufregung, Giggeln und Quietschen.
„The Moment“ basiert auf einer Idee von Charli xcx. Der Film spinnt fiktiv die Frage weiter, was nach dem ersten „brat“ Sommer hätte passieren können, wenn sie nicht weiter ihrer eigenen Vision vertraut hätte, sondern aus der Angst heraus, der Hype könne zu schnell vorbei sein, sich selbst und alle künstlerischen Entscheidungen von ihrem Team hätte bestimmen lassen. Dieses holt unter anderem den Regisseur Johannes (Alexander Skarsgård) an Bord, um die finale „brat“ Show als Konzertfilm für Amazon zu inszenieren.
Johannes hat, im Gegensatz zu Charlis Kreativdirektorin Celeste (Hailey Benton Gates), sehr genaue Vorstellungen davon, was passieren muss, damit Charli ein noch breiteres Publikum erreicht: „brat“ muss familienfreundlicher werden. Keine Songtexte mehr über Koksen auf der Toilette. Warum gibt es keine Tänzerinnen auf der Bühne? Außerdem schwört er auf diese LED-Armbändchen, die, an das Publikum verteilt, passend zum jeweiligen Song in verschiedenen Farben leuchten. Bei Coldplay hat das schließlich super funktioniert.
Rein filmisch gesehen dauert es ein wenig, bis „The Moment“ in Fahrt kommt. Skarsgårds Auftritt als Johannes trägt dazu entscheidend bei. Er spielt den eitlen Musikbusiness-Profi, der von einem völlig anderem Planeten kommt, mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Ernsthaftigkeit, Humor und vor allem großer Lust an der Sache. Je überhöhter die Momente, desto besser funktioniert „The Moment“. Dabei ist die Message erfrischend deutlich: wer als Popstar ein möglichst breites Publikum erreichen möchte, muss bereit sein, ganz schön Scheiße zu sein. Man könnte „The Moment“ als reines Vanity-Projekt einer Künstlerin sehen, die ihre vollkommene kreative Freiheit immer wieder betont.

Rein filmisch gesehen dauert es ein wenig, bis „The Moment“ in Fahrt kommt. Skarsgårds Auftritt als Johannes trägt dazu entscheidend bei. Er spielt den eitlen Musikbusiness-Profi, der von einem völlig anderem Planeten kommt, mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Ernsthaftigkeit, Humor und vor allem großer Lust an der Sache. Je überhöhter die Momente, desto besser funktioniert „The Moment“. Dabei ist die Message erfrischend deutlich: wer als Popstar ein möglichst breites Publikum erreichen möchte, muss bereit sein, ganz schön Scheiße zu sein. Man könnte „The Moment“ als reines Vanity-Projekt einer Künstlerin sehen, die ihre vollkommene kreative Freiheit immer wieder betont.
Der Film zeigt aber auch deutlich, warum das für jemanden wie Charli xcx so wichtig ist: es ist nach wie vor nicht leicht, als Frau und Künstlerin ernst genommen zu werden, wenn man über seine Leidenschaft fürs Partymachen singt, wenn man auf der Bühne in sexy Klamotten tanzt, wenn man Clubmusik und Autotune für sich nutzt, stolz und unverfroren. Da ist es schon in Ordnung, sich einmal auf die eigene Brust zu klopfen und zu sagen: „Das alles war meine Idee, und dass sie so gut funktioniert, liegt ganz alleine an mir“. Und tatsächlich zeigt „The Moment“ trotz seiner satirischen Erzählweise ganz deutlich, dass der Erfolg von „brat“ letztendlich der Einfachheit der Idee und der Persönlichkeit von Charli xcx zu verdanken ist.
Vielleicht beruhte die Enttäuschung über Charlis schnellen Abgang bei der Pressekonferenz auch darauf, dass sie, obwohl sie zwei Jahre lang auf Tour war, die „brat“ Show nicht einmal nach Deutschland gebracht hat. Das wird in der Form wohl auch nicht mehr passieren. Schließlich haben wir dank „The Moment“ gelernt, dass „brat“ jetzt tot ist. Am Tag vor ihrem Berlin Besuch hat Charli xcx ihr neues Album veröffentlicht, der Soundtrack zu Emerald Fennells Film „Wuthering Heights“. Damit wird sie diesen Sommer bis dato exklusiv beim Reading & Leeds Festival auftreten. Wie ihre Bühnenshow dann aussehen wird, weiß noch niemand.
Immerhin beehrt sie in der Nacht nach der Premiere von „The Moment“ Berlin mit einer ausgelassenen Partynacht, bei der sie selbst stundenlang hinter den Decks tanzt. Das größte Geheimnis rund um Charli xcx wird wahrscheinlich immer bleiben, wann diese Frau jemals schläft.
