
Mit dem Coverfoto eines Poolrands in warmem, mediterranem Licht und zitronengelber Schrift präsentiert sich “Fünf Tage im Licht” von Rhiannon Lucy Cosslett auf den ersten Blick als die perfekte Urlaubslektüre. Rowohlt selbst betitelt ihn auf der Internetseite des Verlags als “flirrenden Sommerroman” über Liebe, Sex und Kunst.
Die Malerin Sophie verbringt den Sommer mit ihren Freundinnen auf der griechischen Insel Sifnos. Eine von ihnen wird heiraten und wünscht sich einen stilvollen Abschied vom Dasein als ledige Frau. In fünf Tagen werden die Männer nachkommen, denn auch Sophie steckt in einer langjährigen Beziehung. Ihr Freund Greg wünscht sich ein Kind von ihr, aber Sophie ist sich unsicher, ob ihre noch in den Kinderschuhen steckende Karriere als Künstlerin das verkraften könnte.
Beflügelt von der Hitze, dem Wein und dem guten Essen beginnt Sophie eine Affäre mit dem Griechen Ky, der ihr völlig neue Seiten der wunderschönen Insel zeigt. Derweil arbeitet Sophie an einem Aktportrait von ihrer Freundin Alessia, und zu ihrer Überraschung lässt sie der Anblick nicht ganz kalt. Inmitten des emotionalen Tumults landen der Verlobte und Sophies Freund auf der Insel und stiften nur weiteres Chaos.
Ich bin im Vorhinein immer skeptisch, wenn sich ein Roman um einen Junggesellinnenabschied dreht, denn die Probleme und Themen sind meist recht austauschbar. In “Fünf Tage im Licht” geht es um genau zwei Dinge: um Sex und um Schönheit. Sicherlich ist es so, dass diese beiden Themen die Lebensrealitäten vieler Menschen maßgeblich bestimmen. Wirklich interessant macht sie das auf die Dauer trotzdem nicht.
Es interessiert mich nicht, welche von Sophies Freundinnen am dünnsten ist, das hübscheste Gesicht oder die schönsten Brüste hat. Es interessiert mich genauso wenig, in welchen Interessenskonflikt es Sophie stürzt, dass sie mit ihrer neuen Affäre (die als Ebenbild einer griechischen Statur erschreckend fetischisiert wird) mehr Spaß beim Sex hat. Was mich interessiert hätte, wäre, was sie am Malen so liebt, inwiefern sie die schöne Szenerie inspiriert, oder von mir aus auch, was ihr neues sexuelles Erwachen für einen Einfluss auf ihre Kunst hat.
Stattdessen wird ihr Beruf lediglich als Werkzeug genutzt, um die Brücke zum kulturellen Aufstieg zu schlagen. Sophie darf jeden beobachten und bewerten, denn sie ist Künstlerin, die Körper der anderen faszinieren sie. Sie saugt optische Eindrücke in sich auf, formt dadurch ihre Minderwertigkeitskomplexe und hat darüber hinaus überhaupt keine Kapazitäten mehr, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
Die vermeintlichen Freundinnen führen miteinander kein einziges empathisches oder herzerwärmendes Gespräch. Im Grunde verabscheut Sophie sie alle für ihre Schönheit und ihren materiellen Wohlstand. Die Ebene der Bisexualität, die bereits der Klappentext andeutet, wird kaum thematisiert und erscheint eher als ausgeworfener Köder. Kunst und Queerness wirken als Deckmantel für den hohlen Kern.
Zwischen die Kapitel sind kleine Werkschauen berühmter Kunstwerke gestreut, die sich zwar noch mit am spannendsten lesen, den Karren aber auch nicht mehr aus dem Dreck ziehen können. Eben dies nehme ich dem Roman besonders übel. Ein Buch über Sex und Schönheit hat seine Existenzberechtigung und wird immer seine Leser finden, aber wenn es sich wie „Fünf Tage im Licht“ als etwas anderes verkauft, als feministische Lektüre über Kunst und patriarchale Familienkonstellationen, dann empfinde ich das als persönlichen Verrat.
“Fünf Tage im Licht” von Rhiannon Lucy Cosslett ist in der deutschen Übersetzung beim Rowohlt Verlag erschienen. Eine Leseprobe gibt es hier.
