
Man kann es inzwischen als zuverlässiges Anti-Qualitätsmerkmal deuten, wenn ein Film sich anhand einzelner Ausschnitte ideal über TikTok und co vermarkten lässt. „The Housemaid – Wenn sie wüsste“, eine Adaption des inzwischen dreiteiligen Bestsellers von Freida McFadden, wirkt in großen Teilen so, als wäre er explizit zu diesem Zweck gedreht worden. Sowohl das Drehbuch als auch die Inszenierung von Paul Feig hangeln sich von einer „schockierenden“ Szene zur anderen, von einer flotten Dialogzeile zur nächsten. Jede Szene schön so in sich abgeschlossen, dass sie sich auf Social Media posten lässt, ohne zu viel von der Handlung zu verraten und gleichzeitig anzudeuten, dass es hier ganz schön abgeht.
Das tut es in der Tat. Feig inszeniert ohne Umwege, es gibt wenige Szenen oder Dialoge, die die Handlung nicht unmittelbar vorantreiben. Das sorgt dafür, dass man sich nicht langweilt – und kann trotzdem nicht als Qualitätsmerkmal missverstanden werden.
„The Housemaid – Wenn sie wüsste“ ist einer dieser im häuslichen Umfeld angesiedelten Thriller, der darauf baut, dass die Welt nicht so heil ist, wie sie zu Anfang scheint. Und selbst wenn die Idylle anfängt zu bröckeln, ist immer noch alles längst nicht so, wie man vermutet. Klingt aufregend, ist im Falle von „The Housemaid“ aber leider nicht halb so subtil oder zumindest spannend, wie es sein könnte. Schon als in einer der ersten Szenen Long Island Housewife Nina Winchester (Amanda Seyfried) der sich um die Stelle des Hausmädchens bewerbenden Millie (Sydney Sweeney) ihr zukünftiges Quartier unter dem Dach mit den Worten zeigt, sie könne ruhig laut Musik hören, hier oben höre sie niemand – uuuuh, wer würde da nicht vermuten, dass hier im Lauf der folgenden über zwei Stunden schlimme Dinge passieren werden!
Tatsächlich entwickelt sich Millies neuer Traumjob innerhalb kürzester Zeit zum Albtraum. Nina ist nämlich gar nicht so nett, wie sie beim ersten Kennenlernen gewirkt hat. Sie ist pedantisch, cholerisch und, wie Millie mit einem Blick in den Medikamentenschrank feststellt, sogar psychotisch. Ganz anders als Ehemann Andrew (Brendan Sklenar), der die Ausbrüche und Ausfälle seiner Frau mit Engelsgeduld erträgt. Der perfekte Mann und Vater, wie die (unerträglich dämlich überzeichneten) Frauen aus der Nachbarschaft immer wieder feststellen. Dass Millie nicht ihre Sachen packt und dieses sich hinter der Fassade einer Vorstadtvilla versteckende Familienmoloch sofort wieder verlässt, liegt zum einem an ihm, der sie immer wieder beschwichtigt und zum Bleiben überredet. Und zum anderen daran, dass Millie selbst nicht so unschuldig ist wie es auf den ersten Blick scheint – sie muss den Job im Rahmen ihrer Bewerbungsauflagen dringend behalten.

Theoretisch könnte „The Housemaid- Wenn sie wüsste“ eine Sozialstudie im Thriller-Gewand sein, eine Tragödie darüber, wieviel manche Menschen dulden und dulden müssen, um den äußeren Schein zu wahren. Stattdessen setzt der Film auf billige Schockeffekte, hanebüchene Wendungen und legt seinen Charakteren Dialoge in den Mund, die wirken, als wären sie unmittelbar einem schlechten Actionfilm aus den Neunzigern entsprungen. Es soll wohl empowernd wirken, wenn Millie sich dem, was ihr irgendwann natürlich blüht, mit der Attitüde eines Schwarzenegger widersetzt. Stattdessen ist es leider einfach geschmacklos, wie das Thema häusliche Gewalt für geschmacklose Gore-Effekte und zum Teil sogar noch billigeren Humor und Zynismus herhalten muss.
Und was sind das denn bitte für Performances? Amanda Seyfried wirkt, als hätte sie sich doppelt angestrengt um wettzumachen, dass Sydney Sweeney die meiste Zeit unbeholfen in der Gegend herumsteht. Wie wenig es wiederum von Seiten Brandon Sklenars braucht, um den vermeintlichen Traummann darzustellen, könnte schon als Beleidigung des weiblichen Intellekts verstanden werden. Aber an den wird in diesem Film sowieso erschreckend wenig appelliert. Denn was hier am Ende zu allem Überfluss als Sisterhood, als Zusammenhalt unter Frauen deklariert wird, ist schlichtweg eine Frechheit.
Nichtsdestotrotz wird „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ seine Fans haben. Wer Spaß an unfreiwilliger Komik und grottenschlechtem Schauspiel hat, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.
„The Housemaid – Wenn sie wüsste“ startet am 15.01.2026 in den deutschen Kinos.
