Gehört: Jack White „Frozen Charlotte“

“Welcome to the Garden of Eden” – mit diesen Zeilen eröffnet Jack White sein neues, siebtes Soloalbum “Frozen Charlotte”. Der Garten Eden, das dürfte für Jack White seit jeher die Bühne sein. Umso mehr Sinn macht es, dass er dieses Album gemeinsam mit seiner aktuellen Live-Band aufgenommen hat (Patrick Keeler am Schlagzeug, Bobby Emmett an den Keyboards und Dominic Davis am Bass) und es inmitten einer laufenden Tour veröffentlicht.

Mit “Frozen Charlotte” scheint White sich genau das Album geschaffen zu haben, das er in dieser Phase seines Lebens live spielen möchte. Man kann die “Ahh” und “Ohh” Chöre des Publikums bereits förmlich hören. Es klingt, ähnlich wie der 2024 erschienene Vorgänger “No Name”, wie die eingedampfte, auf seine Essenz reduzierte Grundenergie von Jack White. Man könnte fast schon vergessen, dass der Mann in seinem Leben auch eine Vielzahl herrlich schmalziger Balladen geschrieben hat. 

Sein aktuelles Schaffen steht also weiterhin unter dem Zeichen des voll durchgedrückten Gaspedals. Das führt dazu, dass die musikalische Spielfreude sich stärker und direkter denn je auf den Zuhörer überträgt. Auch dazu, dass seine Gitarre und die Lust am ausgedehnten Solieren weiter in den Vordergrund rückt. Ein nicht unbedeutender Nebeneffekt ist jedoch, dass die Abwechslung, das Flirten mit verschiedenen Stimmungen und Tempi, weiter auf der Strecke bleibt. 

“No Name” wurde weitreichend als Whites langersehnte Rückkehr zu seinen Wurzeln gefeiert. Und ohne Frage gehört er heutzutage zu den Musiker*innen, die es schaffen, dem klassischen Rock neue Facetten abzuringen und den eigenen Stempel aufzudrücken. Aber es entsteht bei seinen letzten beiden Alben auch immer wieder das Gefühl, dass man vieles davon – diese Akkordfolge, jenen Chorus, eine bestimmte Bridge, so schon einmal von ihm gehört hat. Und leider durchaus oft nachdrücklicher, eindrucksvoller. 

Jack White ist ohne Zweifel an einem Punkt seiner Karriere, an dem er es sich leisten kann, sich selbst zu zitieren. Es sei ihm gegönnt. Und manchmal funktioniert es auch ganz großartig, wie bei dem wirklich fulminanten Closing-Track “Neighbors Blues”, der wie eine düstere, überhöhte Hommage an die 2003er White Stripes Nummer “Ball and Biscuit” klingt. Oder bei “All Alone Again”, das musikalisch wenig überrascht, bei dem er aber ein klein wenig mehr an den Hysterieschrauben gedreht hat. Das Gitarrenriff in „Making Contact“ wirkt dagegen eher wie ein lahmer Abklatsch dessen, das man aus „The Hardest Button to Button“ kennt (ebenfalls aus dem legendären White Stripes Album „Elephant“).

Man würde nur so gerne auch mal wieder schwofen und schmachten mit ihm. Vielleicht beim nächsten Album. Jack White wirkt aktuell mehr denn je so, als hätte er noch viel vor. 

„Frozen Charlotte“ erscheint am 10. Juli 2026 auf Third Man Records.