Gesehen: “Allegro Pastell” von Anna Roller

Nachdem “Allegro Pastell” Mitte Februar seine Weltpremiere auf der Berlinale feierte, erscheint die Romanverfilmung von Anna Roller am 16. April offiziell in den deutschen Kinos. Die gleichnamige Buchvorlage von Leif Randt gilt unter eingefleischten Liebhabern als ein Versuch, den Definitionsbereich der deutschen Liebesgeschichte zu erweitern und alternative Beziehungsgeflechte in unserer heutigen Moderne zu kontextualisieren.

Beginnend in dem rekordverdächtig heißen Sommer 2018 erzählt “Allegro Pastell” die Geschichte von Tanja Arnheim (Silvaine Faligant) und Jerome Daimler (Jannis Niewöhner), die seit einer kurzen Nacht nach einer von Tanjas Lesungen eine Fernbeziehung führen. Beide sind sie in ihren Dreißigern und führen ein freies und noch im Normbereich alkoholhaltiges und drogenreiches Leben, das sich mehr nach ihren jeweiligen Karrieren als nach dem Wunsch einer klassischen Familie ausrichtet.

Tanja ist aktivistische Schriftstellerin in Berlin und Jerome ein gefragter Webdesigner, der mietfrei in einem Haus seiner Eltern in der Nähe von Frankfurt am Main lebt. Um miteinander in Kontakt zu bleiben, schreiben sie sich lange E-Mails, in denen sie sich ihr gemeinsames Leben ausmalen. Ihre Lebensrealitäten eng miteinander zu verknüpfen, stellt sich allerdings schwieriger heraus als gedacht. Zuerst Tanja und dann auch Jerome fragen sich, inwiefern eine gemeinsame Zukunft tatsächlich umsetzbar ist. Einander loslassen können sie aber auch nicht, und so erkämpfen sie sich immer und immer wieder, auch auf Kosten von anderen, ein Stück gemeinsame Zeit.

“Allegro Pastell” steht schön symbolisch für einen seltsamen Trend, der, vor allem in Dingen von Liebe und Erotik, aktuell in den Kinos Einzug hält. Er ist gewissermaßen vergleichbar mit der Familie, die eine exotische Fernreise machen möchte, um sich dann in einem All-Inklusive Ferienresort einzubuchen, in dem sie, dank stabilem Internetzugang, von morgens bis abends fernsehen kann. Das Ergebnis der angeblichen Neudefinition von Liebesbeziehungen ist eine erstaunliche Spießigkeit. Millennials, die in ihren stylischen Wohnungen Koks und LSD konsumieren und in einem ständigen Hin und Her ihre eigene Unsicherheit ausleben, am Ende aber doch zu ihren angestammten Rollen zurückkehren. Hundert Minuten lang dürfen sich die Spieler auf dem Schachbrett austoben, aber letztendlich wandert doch jeder in seine Ecke zurück.

Die schauspielerischen Leistungen sind zweifelsohne gut, aber die Hauptfiguren sind als Abziehbildchen des modernen Menschen ermüdend austauschbar. Blasiert und oberflächlich lassen sie nicht viel Tiefe blicken und machen es einem zunehmend schwer zu sympathisieren. Mit jedem Streit und jeder leidenschaftlichen Versöhnung wird einem ihr Schicksal gleichgültiger. Es baut sich schlichtweg kein Spannungsbogen auf.

Davon abgesehen passiert insgesamt nicht viel, die letzte halbe Stunde zieht sich endlos in die Länge und mündet in einer unbefriedigenden Auflösung. Kein einziger Aspekt des Films erscheint neu, er ist wie ein Puzzle aus stylischen Stereotypen, Partyszenen und Inneneinrichtungen, die wie ein gut gepflegtes Instagram Profil daher kommen.

Der Romanvorlage könnte man noch zugute halten, dass sie inzwischen sechs Jahre alt ist und für ihre Zeit vielleicht wirklich innovative Ansätze präsentiert hat. Aber die Verfilmung kann dazu nichts Neues beitragen.

“Allegro Pastell” startet am 16. April in den deutschen Kinos. Vorstellungszeiten gibt es hier.