Spot Festival 2012 Special: Teil 5 mit Zebra & Snake

Wir haben uns mit einigen Bands auf dem Spot Festival 2012 getroffen und unterhalten. Wer das so war und was sie uns dabei so verraten haben, könnt ihr in unserer siebenteiligen Serie Spot Festival 2012 Special nachlesen. Wir werden euch jedes Mal eine andere Band vom Spot Festival vorstellen. In Teil 5 haben sich die Finnen von Zebra & Snake die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu beantworten.

In einem kleinen finnischen Dorf trafen sich zwei Jungs namens Tapio und Matti. Weil man sich so gut versteht und es in Alajärvi sowieso nichts besseres zu tun gibt, packt man kurzerhand die Orgel und den Synthesizer aus, und beginnt damit, Musik zu machen. Und so beginnt sie schließlich, die Geschichte von Zebra & Snake.

Tapio: Ich habe die Band 2009 mit Matti zusammen gegründet. Wir hingen bei Matti im Haus rum, wo er sein ganzes Equipment wie Synthie und Bass hatte, und haben angefangen irgendwelche Sachen auszuprobieren und bekloppte Phrasen zu singen. Das alles haben wir eigentlich nur gemacht, um eine gemeinsame Freundin von uns zum Lachen zu bringen. Das hat auch geklappt. Sie hat gelacht und wir haben uns dazu entschlossen, mit der Musik weiter zu machen.

Unterstützt werden Tapio (26, Gesang, Keyboard) und Matti (24, Bass, Keyboard, Gesang) von Drummer Alpo (24). Ein Trio, das sich einfach nur der Musik wegen zusammen gefunden hat als vielmehr aus dem freundschaftlichen Aspekt heraus. Sie teilen in jeden Fall die Leidenschaft zu unbekümmerten und leichtfüßigen Synthiepop miteinander. Wie sich ihre Musik nun aber genau beschreiben lässt, erklären sie vielleicht am besten selbst.

Tapio: Bei der Musik von Zebra & Snake geht es um Synthesizer, Heilung und große Emotionen.

Schnell werden die Altmeister Andy McCluskey von Orchestral Manoeuvres in the Dark und Jónsi von Sigur Rós auf die beiden aufmerksam, die die Finnen unabhänig voneinander dem Chef des renommierten britischen Labels 100% empfehlen, der sie prompt unter Vertrag nimmt. Noch bevor man überhaupt eine EP veröffentlicht hat, geht es schon mit Orchestral Manoeuvres in the Dark auf Tour. Man hat also bereits einiges erlebt im Hause Zebra & Snake, das ist Fakt.

Matti: Vor ein paar Jahren haben wir in Tokio eine Show im 52. Stock eines Hochhauses gespielt. Von dort aus konnte man über ganz Tokio blicken. Der Ausblick war der Wahnsinn.
Tapio: Viel witziger war es allerdings, dass wir während Halloween dort waren, und nach unserem Konzert auf demselben Stockwerk eine Party statt gefunden hat. Die Japaner neigen dazu, sich völlig verrückte Kostüme anzuziehen. Das waren die schrägesten Outfits, die ich jemals gesehen habe. Wir haben sogar welche gesehen, die sich als Totoro verkleidet haben, während andere einfach nackt gegangen sind.

Im Mai 2012 wurde ihr Debütalbum „Healing Music“ veröffentlicht, eine Platte mit der sie nicht nur sich selbst therapieren, sondern auch die Herzen zahlreicher Fans erobern. Und obwohl die beiden langjährigen Freunde aus zwei unterschiedlichen musikalischen Welten kommen, lassen sich gewisse Einflüsse in ihrer Musik nicht absprechen.

Tapio: Es ist wirklich schwierig, sich da nur auf eine Richtung oder eine Band zu beschränken. Es gibt so viele Bands, die das Gefühl und die Atmosphäre einfangen, die wir wirklich gerne mögen und auch in unserer Musik gerne verkörpern wollen. Zum Beispiel finden sich in unseren Songs Einflüsse von der tragischen Welt von The Knife oder der melodramatische Gesang von David Bowie wieder, aber auch die unfreundliche Bildsprache der Filme von Michael Haneke. Außerdem ist einer unserer größten Einflüsse unsere Heimatstadt Alajärvi und die besondere Atmosphäre dort.
Matti: Für mich sind Fleedwood Mac eine der größten Inspirationen. Wir mögen aber total unterschiedliche Sachen und bringen so die verschiedenen Einflüsse mit ein in unsere eigene Musik.

Wer die beiden trifft, weiß sofort, woher die fröhlichen und quietschlebendigen Songs ihren Ursprung haben. Mit Euphorie und vor allem viel Humor begegnen sie mir im Gespräch, haben dabei immer wieder eine lustige Geschichte parat und sorgen damit für den ein oder anderen Lacher.

Tapio: Unser furchtbarstes Erlebnis? Nackte Japaner!
Matti: Tapio hat in China auf dem Weg zum Flughafen seinen Reisepass im Taxi vergessen.
Tapio: Es war wirklich unglaublich. Als ich es gemerkt habe, dachte ich nur „Oh shit, Du sitzt jetzt hier in China ohne Reisepass“. Wir waren mit einer anderen Band unterwegs, und einer der Bandmitglieder hat die ganze Fotos von der Stadt gemacht und glücklicherweise auch unser Taxi mit der Lizenznummer auf einem Foto mit drauf. Irgendwie, wer weiß wie, haben wir das Taxiunternehmen ausfindig machen können und sind dann dort hin, um etwas über eine Stunde darauf zu warten, dass der Taxifahrer zurückgekommen ist.
Matti: Der Taxifahrer hat zwar sein Geld gestohlen, aber das war dann auch egal, haha.

Von schlechten Erlebnissen lässt sich hier niemand abschrecken. Dafür haben beide eindeutig eine zu positive Lebenseinstellung und nehmen zu gerne die Dinge mit Humor. Außerdem ist man bei Zebra & Snake viel zu neugirig und auch viel zu gerne unterwegs.

Matti: Wenn eine Tour gut läuft, dann macht es auch richtig Spaß. Manchmal reist Du aber wirklich viel rum und dann wirst Du etwas müde davon. Es ist aber immer wieder spannend, neue Orte zu entdecken und andere Menschen kennen zu lernen, mit den Leuten zu sprechen. Während auf Tour die Dinge einfach so passieren, wie es eben kommt, musst Du Dich im Studio auf die Sache konzentrieren.

Es gibt starke Verbindung innerhalb der finnischen Musikszene. Man kennt sich untereinander und hilft sich, wo es nur geht. Bei ihrer weltoffenen Art darf man aber schon jetzt gespannt sein, wo es die Kombo wohl als nächstes hin verschlägt.

Tapio: Für uns ist es ziemlich einfach, in Finnland Musik zu machen, da wir eine Menge Leute dort kennen. Aber ich find Berlin auch ziemlich cool und könnte mir vorstellen, dort mal hinzuziehen. Wir sind oft dort.
Matti: Unser Label 100% ist in London. Es macht also ein Stück weit Sinn, wenn wir dort hingehen würden.
Tapio: Irgendwann vielleicht sogar mal New York?
Matti: Oh ja, New York wär auch toll.

Auch für Zebra & Snake ist es nicht das erste mal auf dem Spot Festival. Wie uns auch schon andere Bands bestätigt haben, findet das Festival von allen Seiten her großen Anklang und kann sich immer größer werdender Beliebtheit erfreuen.

Matti: Das Spot ist ein wirklich tolles Festival. Ich war schon letztes Jahr hier und hab mit einer anderen Band gespielt. Die triffst viele Leute hier und die Stimmung ist außergewöhnlich. Ja, ich mag es sehr hier.

Es wird wieder Zeit für unser Spiel „Wahrheit oder Pflicht„, bei dem sich unsere Band entscheiden muss, ob sie noch eine weitere Fragen beantworten oder eine Aufgabe erfüllen möchte. Matti und Tapio sind sich schnell einig, sie entscheiden sich für „Wahrheit“.

Was war der erste Eindruck, den ihr voneinander hattet, als ihr euch kennen gelernt habt?

Tapio: Ohhh, ich erinner mich daran, dass Matti diese verrückte Frisur hatte. Wir waren noch in der Schule, als Du diese Art Dreadlocks hattest, so kurze Dreadlocks…
Matti: Oh ja, ich erinnere mich daran, ich sah aus wie eine Palme.
Tapio: Haha, genau, die Beschreibung trifft es ziemlich gut.
Matti: Ich erinnere mich aber genauso an Deine Haare! Er hatte einen Teil abrasiert und den Rest wie eine Art Vokuhila, so eine richtige 80er Jahre Frisur.
Tapio: Jetzt ist es raus, wir waren Haar Monster!

Davon kann heute nicht mehr die Rede sein. Auf jeden Fall bedanken wir uns für dieses charmante und humorvolle Gespräch. Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen in Berlin.

Von Jessica Franke


Spot Festival 2012 Special:

Teil 1: The Megaphonic Thrift
Teil 2: Echo Me
Teil 3: Age Of Giants
Teil 4: Snake & Jet’s Amazing Bullit Band
Teil 6: Rangleklods