So war das erste By The Lake Festival

By_The_Lake_01_Credit_Johnny_Harrington_01Von all den Festivals, die Ende Augustzum ersten Mal in Berlin stattgefunden haben, traten beim By The Lake sicherlich die wenigsten Mainstreamkünstlern auf. Das Line-Up war verschieden wie Tag und Nacht – von minimalistischen Beats bis Blues. Präsentiert wurde das Ein-Tages-Festival unter anderem vom Online-Radiosender The Lake.

Den Anfang machten Liima. Die Band setzt sich aus Teilen von Efterklang und dem Schlagzeuger Tatu Rönkkö zusammen. Es war ein kluger Schachzug selber als erstes aufzutreten, denn Casper Clausen verbrachte den Rest des Festivals mit einer Bierflasche in der Hand auf der Tanzfläche um abzufeiern (wenn man genau hinguckt, sieht man Casper auf den Fotos weiter unten). Da merkte man, dass die Mitinitiatoren von By The Lake nicht nur Namen ausgewählt haben, sondern Künstler, die sie wirklich mögen. Aber nicht nur die Begeisterung der Veranstaltern selber machte es besonders. Es war auch ein Festival für die ganze Familie. Tagsüber turnten und tanzten Kinder vor der Bühne, Familien mit Picknickdecken suchten sich ein schattiges Plätzchen und Bassist Rasmus Stolberg (Efterklang, Liima) lief mit Baby übers Gelände und machte auch die Ansage für Lonnie Holley mit Kind im Arm. Einfach total schön. Und es freut einen auch, wenn Peter Broderick, früher Mitglied der Liveband von Efterklang, zu den lässigen Melodien von Liima tanzt. Und man selber allergrößte Disziplin aufbringen muss, damit nicht jedes Foto wegen einer wippenden Hüfte verwackelt wird. Und ja, das ist ein Bügelbrett neben Tatu Rönkkö, aber gebügelt wurde nicht, nur auf Metallschalen geschlagen.

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Man wäre geneigt als gemeinsamen Nenner aller Bands und Künstler des Abends eine gewisse Beatverliebtheit zu nennen, wenn nicht Lonnie Holley aufgetreten wäre. Aber bei Holley ist es die Stimme, das gelebte Leben in eben dieser. Es war fast ein spirituelles Erlebnis ihn zu hören. Aber auch wenn er auf der Bühne ist, seine erste Berufung als Maler hat er nicht vergessen. Im Hintergrund stand eine weiße Leinwand, die er immer wieder aufsuchte um während der Songs ein Bild weiterzumalen, blau auf weiß. Zwischendurch sah es aus wie ein Sumoringer, der seine Haare kämt. Am Ende war es eine Ente mit einem Schuh oder so ähnlich, passend zu seinem letzten Song.

567 Lonnie Holley 4, (c) Dörte HeileweltDie nächsten Künstler hätten kein größeres Kontrastprogramm zu Holley sein können: Beatfrickler Brunt Friedman und Jaki Liebezeit, Schlagzeuger der legendären Gruppe CAN. Ihre Musik besteht eigentlich nur aus Beats und ungewöhnlichen Rhythmen, eine leicht irritierende Melodie aus Schlagzeug und Synthesizern. Nichtsdestotrotz sehr tanzbar.

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Der syrische Künstler Omar Souleyman war der eigentliche Headliner, wenn auch nicht letzter auf dem Timetable. Für die einen ist er ein Superstar, für mich war seine Show eher gewöhnungsbedürftig. Seine Band kam vollständig aus einem Keyboard und klang entsprechend wenig organisch und er nutzte so viel Hall beim Singen, dass er auch Ansager für Karussells auf einem Volksfest hätte sein können. Aber das ist nur meine Meinung. Die Tanzfläche war brechend voll als er der die Bühne betrat und mit den ersten Tönen fingen alle an wie wild zu tanzen. Dabei ist seine eigene Show eher minimalistisch: er läuft auf der Bühne rum, singt und wenn er nicht singt, klemmt er sich das Mikro untern Arm und klatscht. Irgendwann stürmten seine Fans die Bühne, erst einer, dann zwei und dann wurden es immer mehr… für eine Runde Selfies und ein bisschen Tanzen ohne Platzprobleme.
101112131415Ein wenig Geduld forderte die letzte Band des Abends. Wildbirds & Peacedrums hatten das aufwendigste Bühnenbild des Tages oder anders: sie hatten mehr als nur ihre Instrumente und eine Leinwand wie ihre Vorgänger. Eine Reihe von Becken bildete die Rückwand der zweiköpfigen Band, nicht weiter verwunderlich bedenkt man ihren Namen. Zuerst hatte ich noch die Hoffnung, dass diese auch noch musikalisch eingebunden würden, aber das war dann doch nicht der Fall. Allerdings haben das Ehepaar Mariam Wallentin und Andreas Werlin auch so genug Zeug um Musik zu machen, in der Hauptsache Dinge zum Raufhauen und Beats erzeugen. Zusammen mit Wallentins Gesang ergab sich daraus wunderbare Tanzmusik, der perfekten Soundtrack um eine Berliner Nacht zu beginnen, nachdem das Festival um 22 Uhr zu Ende war.

161718Wir freuen uns schon auf das By The Lake 2016 und sind gespannt, ob die musikalische Vielfalt des diesjährigen noch überboten werden kann.

http://www.thelakeradio.com/

Worte und Fotos: Dörte Heilewelt