Reeperbahn Festival: Die bärtigen Highlights

Anscheinend sind ich und das Reeperbahn Festival dieses Jahr ganz auf einer Linie: Die Jutebeutel für die Pressemeute trug das bärtige Maskottchen und ich finde Bärte einfach super. Dementsprechend habe ich mich auch vier Tage lang intensiv nach den schönsten Bärten in Kombination mit der besten Livemusik umgesehen. Es war nicht leicht, aber ich habe meine Top 5 der besten Bärte für euch zusammengestellt – von Altbekannten wie Triggerfinger bis hin zum nächsten großen Hype, den vier Jungs von The Dead South.

The Dead South

Ein bisschen zottelig kommen immerhin drei der vier Männer aus dem Süden Saskatoons, Kanada, daher. Eine Mischung aus Waldschrat und Hillbilly, insbesondere wenn sie dazu noch ihr Bühnenoutfit anziehen – weiße Hemden, schwarze Hosenträger und große, schwarze Hüte. Auch die Instrumente entsprechen nicht unbedingt einer modernen Rockband: Banjo, Gitarre, Cello und Mandoline. Mit dem Ergebnis, einer Mischung aus Folk, Bluegrass, Rock, brachten die vier Herren die fast überfüllte Hasenschaukel zum Tanzen. Sie haben sogar richtige Choreographien zu ihren Trinkliedern. Das Debütalbum „Good Company“ erscheint im November bei uns.

 http://www.thedeadsouth.com/

The Shanks

Schlagzeuger Colonel Crankshaft hat vielleicht nur die etwas längere Version eines 3-Tage-Bartes, aber Sänger und Bassist Pistolwhip von Shankenstein hat einen wunderbaren Backenbart, der sich hervorragend mit seinen langen, braunen Haaren verträgt. Bei ihrem Konzert in der Pooca Bar waren diese leider zu einem Zopf gebunden – sinnvoll, wenn man ihr schweißtreibendes Rockkonzert bedenkt. Auch der Colonel wäre fast aus den Latschen gekippt, hat aber doch noch mit voller Power durchgezogen. Wie immer war von Shankensteins Bassspiel vorzüglich – ich kenne keinen, der seinen Bass ohne riesiges Effektboard so klingen lässt. Und das Publikum gewannen sie innerhalb kürzester Zeit für sich.

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Triggerfinger

Sänger und Gitarrist Ruben Block hat wohl den stilvollsten Bart von allen. Der fast weiße Bart entlang den Wangen in Kombination mit dem schwarzen Schnäuzer…hach, zum dahin schmelzen. Das eigentliche Konzert der Belgier habe ich zwar verpasst, aber dafür ihr sehr kurzes Set am Njoy Reeperbahnbus miterlebt. Während des Reeperbahn Festivals haben dort Bands ein paar ihrer Songs unplugged zum Bestens gegeben. Selten war der Platz vor dem Bus so voll mit Leuten und auch die sonst üblichen zwei Meter Abstand zur Bühne waren weg. Wer die Band kennt, weiß dass sie bei jedem Konzert, egal wie klein oder kurz, ihr Bestes geben und das Sitzen auf dem Asphalt ein Ding der Unmöglichkeit ist. Im November kommen Triggerfinger für ein paar Konzerte zurück nach Deutschland.

http://www.triggerfinger.net/

The White Album

You are the cherry on top of my beard related weekend“, sagte ich zu den drei Dänen von The White Album in unserem Interview kurz vor ihrem Auftritt im Indra. Mehr Bart geht kaum und wenn dann noch bei Frederik Vedersø der Schweiß beim Auftritt aus dem Bart tropft – was will man mehr? Vielleicht ein bisschen Witz. Den nutzen die drei Dänen ausgiebig zwischen ihren Songs um die eh schon begeisterte Menge zum Lachen zu bringen. Man merkt, dass bei der Band sich drei Singer-Songwriter zusammengefunden haben. Zumeist spielen alle Gitarre und jeder hat mal den Leadgesang inne. Aber am schönsten fand ich den Anfang als alle drei Acapella gesungen haben. Ihr Debütalbum „The Quiet Storm“ ist ein echter Ohrenschmaus.

http://thewhitealbummusic.com/

Kadavar

Eigentlich dachte ich ja, The White Album könnten bärte-technisch nicht mehr getoppt werden, aber dann bin ich nach ihrem Konzert noch beim Berliner Psycheldic Rock Trio Kadavar vorbei geschlichen. Wie die langen blonden Haare von Schlagzeuger Tiger im Wind seines Ventilators wehten und dazu der lange Bart…eigentlich sollte man den Mann Lion nennen. Ebenso schön: Sänger Christoph „Lupus“ Lindemann mit seinen blonden Locken. Ihr noch recht neuer Bassist, Simon „Dragon“ Bouteloup, fällt zumindest in der Bartlänge etwas ab, aber Länge ist ja bekanntlich nicht alles. Es muss auch passen. Und das tut es. Aber Scherz beiseite: Ihr Konzert im Grünspan war mein persönliches Highlight und mein Abschluss. Nach vier Tagen voller Musik, tanzen und hin und her rennen, lehnte ich bei ihrem Konzert nur noch an der Wand, wippte mit dem Körper und lauschte dem treibenden Bass und Schlagzeug und von der Gitarre umspielt werden. Das war einfach großartig. Dieses Gefühl von ihrer Musik völlig durchdrungen zu sein, wollte ich durch nichts mehr ruinieren und ging nach Hause.

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Nächste Woche gibt es den zweiten Teil meiner Highlights – es soll ja auch Bands ohne Bartträger geben, die ganz ok sind.

Fotos und Text: Dörte Heilewelt