Interview mit K.Flay

FastForward_K.Flay_credit_KennethCappelloK.Flay, Sängerin, Songwriterin und irgendwie auch Rapperin, meldet sich zurück und hat für den  7. April 2017 ihr neues Album „Every Where Is Some Where“ angekündigt. Im Interview hat sie uns erzählt, warum sie sich nach ihren schlechten Erfahrungen mit ihrem ersten Major Label Deal entschieden hat, ihr neues Album nicht wie ihr Debüt „Life As A Dog“ wieder selbst raus zu bringen, sondern auf Night Street, dem Label von Imagine-Dragons-Frontmann Dan Reynolds und einem Unterlabel von Universal. Außerdem verrät sie schon ein bisschen, was uns auf „Everywhere Is Some Where“ erwartet, wie sie Songs schreibt und wie es ist, jetzt in L.A. zu leben.

Seitdem du Musik machst, das Business immer besser kennengelernt hast, würdest du sagen, dass es etwas gibt, worin du mit den Jahren besser geworden bist?

Ich denke, je länger man dabei ist, umso mehr Möglichkeiten bieten sich einem. Man wird besser darin, sie zu erkennen und anzunehmen.

Du hast einen sehr spezifischen Style. Wie du mit deiner Stimme zwischen Raps und Gesangs wechselst, das finde ich sehr eigen. War das eine bewusste Wahl?

Ganz am Anfang war ich direkt bei einem Major Label unter Vertrag, bei RCA Records. Mein erstes Album habe ich dann aber selbst und unabhängig raus gebracht. Das ging plötzlich sehr schnell, innerhalb weniger Monate war es fertig aufgenommen und veröffentlicht. Ich hatte keine Zeit, mir groß darüber Gedanken zu machen, ob das jetzt richtig so ist oder ob es jemandem gefallen wird. Es hat aber auf jeden Fall eine gute Basis gelegt für alles was danach kam. Ich spiele viele der Songs immer noch gerne live. Das ist ein gutes Zeichen.

Deiner Zeit bei einem Major Label, bei RCA Victor, war, wie du selbst sagst, keine besonders freudvolle. Jetzt bist du bei Universal. Wie ist es dazu gekommen?

Ich hatte eigentlich geplant, meine Sachen weiter unabhängig zu veröffentlichen. Im Dezember 2015 habe ich an Songs gearbeitet, die auf meiner EP „Crush Me“ sind und auch auf meinem neuen Album sein werden, außerhalb von Nashville, zusammen mit dem Produzenten JT Daly. Er spielt selber in einer Band, wir haben gemeinsame Bekannte aber hatten noch nie zusammen gearbeitet. Kurz vor Weihnachten sind wir dann zusammen gekommen, ohne jegliche Erwartungen, und es wurde eine sehr, sehr gute Partnerschaft. Er ist selber Künstler und weiß deshalb, wie man ein guter Produzent für jemanden wie mich ist, die es gewohnt ist, alles selbst zu machen. Er weiß, wann ich Raum brauche und wann er mich pushen muss. Also hatten wir dieses Material, das einfach unglaublich gut geworden ist. JTs Manager ist der Bruder von Dan Reynolds, dem Sänger von Imagine Dragons. Dan war auf der Suche nach jemandem, den er für sein Label, das ein Teil von Interscope ist, unter Vertrag nehmen konnte. Er fand die Sachen super, hat mich kontaktiert. Wir haben uns lange unterhalten und festgestellt, dass wir sehr ähnliche Ansichten haben. Er ist sehr bodenständig. Ich hatte mir bei der Arbeit an „Life Is A Dog“ vorgenommen, dass ich nicht mehr mit Leuten zusammen arbeiten möchte, die keinen Respekt vor mir als Künstlerin und meiner Arbeit haben. Dieses Business ist einfach zu hart. Ich bin lieber weniger erfolgreich und arbeite dafür mit Leuten, die ich wirklich liebe. So wie die Leute von meinem früheren deutschen Label, Humming Records. Sie unterstützen mich immer noch, auch wenn meine neuen Sachen nicht mehr bei ihnen raus kommen. Dan hat mir von Anfang an versichert, dass er mir eine Plattform geben will, dass mehr Leute meine Musik hören. Aber wie ich das mache, überlässt er mir selbst, ich habe komplette künstlerische Freiheit. Das von jemandem zu hören, der selber so erfolgreich ist und das in einer Band, die sich auch nicht auf ein Genre festlegt, das hat sehr gut getan. Also habe ich unterschrieben.

Ist das eine von diesen Gelegenheiten, von denen wir am Anfang gesprochen haben?

Absolut. Ich weiß nicht, ob ich sie ergriffen hätte, wenn sie sich mir vor vier Jahren geboten hätte. Ob ich sie verstanden hätte. Als ich damals bei RCA unterschrieben habe, war ich immer noch damit beschäftigt mich selbst zu entdecken, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Heute ist es etwas ganz anderes, wenn ich mit Leuten zusammen arbeite. Ich bin sehr stolz auf das neue Album.

Es ist bestimmt eine sehr wertvolle Erfahrung, wenigstens einmal alles selber gemacht zu haben. Ich kann mir vorstellen, dass man die Prozesse, die hinter allem stecken, viel besser versteht.

Wenn ich heute mit den Leuten vom Label rede kann ich ihnen sagen hey, ich weiß wie hart es ist, ein Album raus zu bringen. Selbst wenn man eine große Firma mit ganz anderen Ressourcen ist, ist es immer noch schwer genug. Ich kann das alles heute viel besser wertschätzen. Ich kann sagen, ich respektiere eure Arbeit, hier brauche ich eure Unterstützung, hier nicht. Jetzt habe ich das Selbstbewusstsein, es so zu sagen. Und sie wissen auch, dass ich es weiß. Auf diese Weise respektieren wir uns gegenseitig und können gute Partner sein. Aber ich habe auch gelernt, vor allem als Solokünstlerin, musst du immer Kapitän deines eigenen Schiffes sein. Man sieht zu dir auf und erwartet, dass du Entscheidungen triffst. Im Idealfall ist die Aufgabe eines Labels, den Wert einer Sache zu erkennen und ihn entsprechend zu vergrößern. Die Richtung muss man aber selber vorgeben.

Du hast mehrere Jahre nur „On the Road“ gelebt. Jetzt wohnst du in L.A. Bist du, was das angeht, ein wenig zur Ruhe gekommen?

Als ich angefangen habe, mich dort einzurichten, habe ich mich sehr unruhig gefühlt. Ich glaube, ich habe mich letztendlich so daran gewöhnt, unterwegs zu sein, dass es mehr mein Leben ist. Aber ich gewöhne mich daran.

Sind das zwei Herzen, die in deiner Brust schlagen? Wenn du Zuhause bist, vermisst du das unterwegs sein und umgekehrt?

Nicht wirklich. Ich bin nicht so gerne lange an einem Ort. Also sagen wir mal, 80 Prozent meiner Zeit bin ich am liebsten unterwegs. Ich will nicht direkt sagen, dass es eine Art von Sucht ist, ständig unterwegs zu sein. Aber die Möglichkeit, jeden Tag etwas Neues zu erleben, das zieht mich schon sehr an. Man braucht eine gute Basis an Leuten, mit denen man unterwegs ist, damit es funktioniert. Wenn ich auf Tour bin, ist jeden Abend mein Ziel, den Menschen einen schönen Abend zu bescheren. Das ist doch gut für die Seele! (lacht)

Und du machst auch DJ Sets. Was ist für dich gefühlsmäßig der größte Unterschied zwischen einer Live-Show und einem DJ Set?

Wenn ich auflege, passiert das meistens nach einem Event. Meiner eigenen Show oder der von jemand anderem. Die Leute sind da, trinken, sind entspannt, hängen ab. Es fühlt sich ein bisschen sicherer an, weil man sich hinter etwas verstecken kann und nicht so exponiert ist. Wenn man auflegt, denkt man mehr darüber nach, wie Songs zusammen passen, von der Tonart, dem Vibe, der Geschwindigkeit her. Das ist etwas, worüber man sich beim Musik machen keine Gedanken macht. Es ist cool, wenn man dadurch eine andere Blickweise auf die Musik gewinnt. Für die neuen Songs machen wir Remixe, dafür ist es auch eine gute Erfahrung.

Ich habe neulich Baz Luhrmanns Netflix Serie „The Get Down“ gesehen und war völlig fasziniert davon, wieviel Arbeit man sich früher gemacht hat, einen durchgängigen Beat herzustellen, auf den dann jemand gerappt hat…

…und heutzutage ist es sooo einfach! Wenn man mit einer Software wie Traktor arbeitet, klar kann man da unendlich viel mit machen und muss das auch erst einmal herausfinden. Aber vom Grundprinzip her ist es absurd einfach.

Wie kann man es sich vorstellen, wenn du mit einem Song anfängst?

Bei „Blood In The Cut“ zum Beispiel habe ich mit einem sehr rohen Demo angefangen. Nur ich, die Gitarre und ein sehr, sehr einfacher Beat, ein Klatschen oder ähnliches. Das habe ich JT vorgestellt, er meinte, ich liebe es, das müssen wir machen. Unser Workflow ist dann meistens, dass er mich erst einmal damit alleine lässt und ab und zu dazu kommt und eine Idee rein wirft. So geben wir uns die Sache hin und her. Wenn man zu nah, zu persönlich an einer Sache dran ist, dann kann einen das hemmen, sich vorzustellen, was man alles damit machen könnte. Ich hatte dieses total minimalistische Demo, ich wusste ich will dieses Gitarrenriff, aber darüber hinaus hatte ich keine klare Vorstellung. JT dagegen sprudelt was das angeht nur so über vor Ideen. Das ergänzt sich einfach perfekt. Ich habe einfach sehr großen Respekt vor den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite. Wenn sie eine Idee haben, ist es zu 99 Prozent eine gute Idee.

Ich liebe ja „Blood In The Cut“. Das ist ein richtiges Biest!

(lacht) Danke! Es ist wahrscheinlich auch das rockigste, was du von mir zu hören kriegen wirst. Aber weißt du, ich bewundere so jemanden wie Beck. Was der schon alles an Musik raus gebracht hat! Er hat Funk Alben raus gebracht, traurigen Jungs-Akustik-Folk, coole Rap Nummern… ich glaube, dass er eine so spannende, lange Karriere hat, weil es einfach völlig egal ist. Das nehme ich mir immer zu Herzen und versuche mir zu sagen, wie unwichtig es ist, ob man in eine Schublade passt.

K.Flays zweites Album „Every Where Is Some Where“ erscheint am 07.04.2017 auf Night Street/Interscope.

Interview: Gabi Rudolph

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