Gestatten: Archonaut

Aufgepasst Leute, da braut sich was zusammen! Für alle Fans der etwas gitarrenlastigeren Klänge, haben wir hier einen heißen Geheimtipp: Archonaut heißt der neu aufgehende Stern am Prog-Rock-Himmel. Manch einer wird jetzt vielleicht versucht sein, mit dieser Assoziation im Hinterkopf in die Ferne zu schweifen. Doch das ist gar nicht nötig. Denn die Newcomer leben nicht etwa in England, Amerika oder anderen Regionen, die man sofort mit den großen Studios der Rock – Ära in Verbindung bringt, sondern in NRW – genaugenommen bunt verteilt zwischen Krefeld und Wuppertal.
Bereits im vergangenen Jahr war ich live dabei, als die Jungs Ihr fulminantes Debütkonzert im Krefelder „Jazzkeller“ gaben und erstmals ihr Konzeptalbum „Duchess“ dem Publikum vorstellten. Hier haben schon ganz andere bekannte Namen ihre Karriere begonnen, unter anderem Udo Lindenberg oder Ralf Hütter von Kraftwerk. Diese Feuerprobe haben sie mit Bravour gemeistert und die Hütte zum Brennen gebracht. Im Publikum gab es kein Halten mehr. Damals haben die Jungs noch gehofft, dass sie bald ihr erstes Album im Studio aufnehmen können und sich jemand traut, ihr doch nicht ganz so kommerzielles Werk zu produzieren. Tatsächlich sollte diese Chance nicht mehr lange auf sich warten lassen und jetzt ist es endlich soweit – Archonaut schicken ihr Debütalbum „Duchess“ auf die Reise.
Geprägt durch seine Geschichte, die Entstehungsweise und auch die teilweise untypischen Längen der Songs, ist „Duchess“ etwas Besonderes geworden. Sänger Jens Kipper füllt die Songs mit seiner prägnanten Stimme und gibt ihnen eine wunderbare emotionale Tiefe. Zusammen mit den sphärischen Instrumentalpassagen ist Archonaut eine tolle Gesamtleistung gelungen, das Album kann sich definitiv hören lassen.

Im Interview, haben uns Jens und Maschuw alles zur Entstehung von „Archonaut“ und ihrem ersten Album „Duchess“ erzählt:

Wie kommt ihr auf euren Bandnamen und was bedeutet er?

Maschuw: Das ist im Prinzip ein kleines Wortspiel und setzt sich zusammen aus „Archon“ (Arkon gesprochen) – das bedeutet: „Der Führer / Herrscher und der erste sein“, sowie „Naut“ – der Wagenführer und Lenker. Zuerst war es nur ein schöner Klang, doch durch ein bisschen Recherche habe ich herausgefunden, dass da auch noch was dahinter steckt.

Wie würdet ihr euren Musikstil bezeichnen?

Maschuw: Ganz schwierig, das wurden wir schon öfter gefragt und deswegen sagen wir auch gar nicht, dass unsere Musik auf einen bestimmten Stil beschränkt ist. Wir machen Musik zu den Geschichten die wir schreiben, also „Story – Prog – Rock“.

Jens: Also im weitesten Sinne schon Prog – Rock, aber mit einer Vermischung aus dem alten 70er Jahre Prog – Rock und heutigem Metal – Prog – Rock, aber da verbinden sich noch ganz viele verschiedene Musikeinflüsse.

Wie kam es, dass ihr euch dazu entschieden habt zuerst ein Konzeptalbum/ eine Geschichte zu schreiben und erst danach die Musik zu komponieren? Das ist ja eher ein unkonventioneller Weg?

Jens: Das ging so los, dass Maschuw ja schon vor Jahren mal eine andere Idee für ein Konzeptalbum gehabt hat und dann hat er weiter gesponnen. Er hat sich ein paar kleinere Geschichten überlegt und dann einen dramaturgischen Bogen gesetzt, was passieren soll. Später haben wir, so nach und nach, darauf aufgebaut. Je länger der Prozess dauerte, desto schwieriger wurde es, die einzelnen Teile in die Geschichte einzubauen. Ich weiß noch, dass es bei unserer letzten Nummer „Drowning Men“ ewig gedauert hat, bis wir den Part einfügen konnten, weil sich alles wie ein Puzzle zusammensetzt und man da manchmal hin und her schieben musste, bis es gepasst hat.

Maschuw: Die Herangehensweise ist der der Filmmusik ganz ähnlich. Wir haben am Anfang eine Geschichte und überlegen dann, wie sich das in der Musik anhören würde, mit unserem Stil. Manche Sachen sind sehr schwer darzustellen in der Musik.“Drowning Men“ ist da ein gutes Beispiel. Wir hatten am Anfang fünf verschiedene Versionen und wussten schon immer, was an dieser Stelle inhaltlich passiert. Es gab so viele Arten, diesen Song umzusetzen, dass wir am Ende schauen mussten, dass die Musik nicht darunter leidet. Wir haben kein „Schwarz – Weiß – Denken“, dass es nur funktioniert, wenn die Geschichte zuerst da ist, egal ob es dann musikalisch hinhaut. Wir versuchen es immer in Einklang zu bekommen.
Das ist gerade das Spannende daran, wenn wir merken, es hakt. Wir haben eine Strophe, aber wie kriegen wir jetzt den Chorus hin? Anstatt zu sagen, wir schauen was passt, sehen wir uns die Geschichte an. Was macht die Hauptfigur gerade?

Eben, es gibt ja auch eine bestimmte Hauptfigur in eurer Geschichte, diese Frage brennt mir schon die ganze Zeit auf den Lippen! Wer ist die „Duchess“?

Maschuw: Die „Duchess“ ist ein Wesen, das in der Tiefsee lebt, geboren in einer Höhle. Das ist unser erster Song „The Cavern Of Many Beings“. Es geht damit los, dass zuerst eine Seele geboren wird, aus dem Nichts und diese Seele ist so kräftig, dass sie andere Wesen, andere Seelen anzieht und sich mit ihnen in dieser Höhle verbindet. Sie wird aus einem lockeren „Schwarmwesen“ zu einer festen Gestalt, mit einer eigenen Identität, einem kollegtiven Bewusstsein und einer großen Seele. Nachdem sie sich geformt hat, strebt sie nach mehr und möchte wissen was ihr Platz ist, sie schwimmt raus aus der Höhle, weil sie etwas hört und zwar die letzten Gedanken, von tausenden von ertrunkenen Menschen. Diese wurden in einem Krieg hingerichtet. Angezogen von diesen Gedanken schwimmt sie immer weiter nach oben, um zu sehen was da noch ist, kommt zu nahe an die Sonne und fällt, wie paralysiert, zurück auf den Meeresboden.

Was macht euch einzigartig? Woran wird man euch immer erkennen?

Maschuw: Eindeutig die Stimme von Jens!

Wie geht es mit „Archonaut“ weiter? Was sind eure Pläne?

Maschuw: Wir werden uns jetzt erstmal live den Arsch abrocken und möglichst viel spielen. Unser Traum ist es irgenwann einmal, von unserer Musik leben zu können.

Archonaut sind: Jens Kipper (Gesang), Sebastian Maschuw (Gitarre), Julian Klotz (Gitarre), Felice Puopolo (Bass), Chris Jordan (Schlagzeug).

„Duchess“ kann man ab sofort als Download bei amazon erwerben.

Interview: Carolin Walter

http://archonaut-music.com/

http://archonaut.bandcamp.com/album/duchess