Das Damen Konzert Doppel: Maggie Rogers und Jennie Abrahamson

Maggie Rogers, 06.03.2017, Frannz Club Berlin

FastForward-Maggie Rogers-BerlinMaggie Rogers ist gerade mal 22 Jahre alt, aber so ein unbeschriebenes Blatt wie derjenige vielleicht denkt, der ihre Hits „Alaska“ und „Dog Years“ im Moment im Radio rauf und runter hört, ist sie gar nicht. 2014 hat sie bereits über Bandcamp ihr erstes Album „Blood Ballet“ veröffentlicht, aber der Durchbruch deutete sich erst letztes Jahr an, nachdem Maggie dem Folk den Rücken gekehrt hatte und ihrer Leidenschaft für tanzbaren Pop Ausdruck verlieh. Für den Song „Alaska“ gab es direkt jede Menge Airplay und den Ritterschlag von Kollege Pharrell Williams. Jetzt also weniger Banjo, dafür mehr Keyboards und Drum Machine. Bei ihrem Konzert im ausverkauften Frannz Club in Berlin erklärt sie auch, dass sie noch nicht genug neues Material für ein komplettes Set hat. Alte Songs streut sie dafür trotzdem nur sparsam ein und konzentriert sich hauptsächlich auf ihre neue EP „Now That The Light Is Fading“. Maggies Popsongs sind extrem eingängig. Trotzdem wundert man sich fast, in was für eine euphorische Party man hier geraten ist. Das Geheimnis lüftet sie dann auch selbst, sie hat in Berlin nämlich einen großen Freundeskreis. Und auch in Berlin ist es passiert, dass sie ihre Leidenschaft für Pop und elektronische Musik entdeckt hat. Alles zusammen ergibt das eine gute Kombination. Maggie liefert eine energetische, sympathische Performance und das Publikum trägt sie dafür auf Händen. Als sie zum Ende hin ins Publikum springt und „Alaska“ im Kreis ihrer Freunde singt, gibt es kein Halten mehr.
Das Schöne und Besondere an Maggie Rogers ist, dass die Grenzen vom unabhängigen Hippie Mädchen zum Dance Pop Sternchen bei ihr fließend verwischen. Mit ihren langen blonden Haaren und ihren bestickten Schlaghosen wirkt sie sympathisch aus der Zeit gefallen und trotzdem authentisch, während sie ihre mitreißenden Popsongs performt. Das knapp eine Stunde dauernde Konzert im Frannz Club war auf jeden Fall ein gelungener Einstand für die „neue“ Maggie Rogers, von der wir bestimmt noch viel hören werden.


http://www.maggierogers.com

Jennie Abrahamson, 08.03.2017, Auster Club Berlin

FastForward-Jennie Abrahamson-BerlinIm Vergleich zu Maggie Rogers ist Jennie Abrahamson schon ein richtig „alter“ Hase im Musikbusiness. Die Schwedin kann inzwischen auf mehr als zehn Jahre Solokarriere zurückblicken, hat in ihrer Heimat ein eigenes Label gegründet und stand bereits mit Peter Gabriel auf der Bühne. Seit Jahren kommt sie immer wieder nach Deutschland um Shows zu spielen, inzwischen ihr fünftes Album „Reverseries“ im Gepäck. An diesem Abend ist der Berliner Auster Club locker gefüllt. Warum platzt er nicht aus allen Nähten? Es ist ein bisschen traurig. Jennies Songs entfalten live, mit der Unterstützung ihrer Band nämlich eine Größe, die den kleinen Rahmen fast schon sprengt. Der Begeisterung der Anwesenden tut das aber keinen Abbruch, im Gegenteil, es herrscht gespannte Aufmerksamkeit. Selbst der Mann mit kiloweise Piercings im Gesicht, der rein typmäßig ein wenig aus dem Rahmen gefallen wirkt, hört versonnen zu und schießt ab und zu gedankenverloren mit seinem Smartphone ein Foto.
Es ist diese Wärme, die Jennie Abrahamson verbreitet, mit ihrer Stimme und ihren Songs, in der man sich wunderbar verlieren kann. Und die Songs bekommen noch einmal eine ganz andere Qualität, wenn man hört, was Jennie über sie zu erzählen hat. Zum Beispiel dass sie „Bloodlines“ für ihre Eltern geschrieben hat, ein musikalisches Denkmal für ihre immer währende Verbundenheit. Da wird mir als Mutter schon ganz feucht in den Augenwinkeln.
Eigentlich ist es fast schon egal, wieviele Leute letztendlich zu Jennie Abrahamsons Shows kommen. Solange sie einfach immer weiter ihr Ding macht. Künstler, die so viel zu geben haben sind selten und wertvoll.

http://jennieabrahamson.com