Helgi Jónsson wärmt unsere Seelen…

… mit seinem aktuellen Album „For The Rest Of My Childhood“. Und in diesem düsteren Monat auch mit einer Reihe von Konzerten.

helgi hrafn06-photo jonatan gretarssonEin Isländer, der fließend Deutsch mit österreichischem Akzent spricht und seine Liedtexte gerne mal in selbst kreiertem Kauderwelsch verfasst. Da schlägt doch das Herz eines jeden höher, der nicht so gern mit dem Hauptstrom schwimmt. Auch die Liste von Kollegen, mit denen Helgi Jónsson, sowohl in seiner isländischen Heimat als auch international, bereits zusammengearbeitet hat, liest sich hervorragend. Björk und Sigur Rós stehen darauf, mit Teitur und  Tina Dico war er ausgiebig auf Tournee.

Sein hervorragendes Deutsch mit breitem österreichischem Akzent hat er sich in Graz angeeignet, wo er Musik studiert hat und in Wien, wo er weitere drei Jahre gelebt hat. Angefangen hat alles mit der Posaune, die hat er sich als sieben jähriger selbst ausgesucht, heute ist er ausgebildeter Posaunist in Klassik und Jazz. Gitarre lernte er viel später, und auch das Komponieren begann er erst im Jahr 2002, da schrieb er ein Weihnachtslied für seine Familie, die im fernen Island weilte und ihm schrecklich fehlte.

Um diese Jahreszeit spielen isländische Radiostationen dieses Weihnachtslied immer noch gern. Wir hier müssen mit Helgis aktuellem Album „For The Rest Of My Childhood“ vorlieb nehmen, was aber nicht schlimHelgi_Jonsson_coverm ist, da seine Musik generell so viel Wärme und Behaglichkeit verbreitet, dass man sich gut in ihr verkriechen und das dunkle, kalte Draußen vor der Tür getrost vergessen kann. Helgi Jónssons Stimmlage und die sphärenhafte Ruhe in seiner Musik legen den Vergleich mit Sigur Rós natürlich nah, und Freunde der isländischen Ausnahmeband dürften auch bei Helgi Jónsson auf ihre Kosten kommen. Dennoch ist es für ihn wichtig, dass sein künstlerisches Schaffen als eigenständiges gesehen wird. Auch als Singer/Songwriter läßt er sich nicht gerne abstempeln, vielmehr sieht er sich als Posaunist, der gerne singt. Was erklären dürfte, warum sein Gesang mehr wie ein Instrument wirkt, warum die Texte sich der Melodie manchmal unterordnen müssen. Aus „Faulheit“, wie Helgi Jónsson selbst sagt, bleibt es dann schon mal bei seiner eigenen Phantasiesprache, die er ursprünglich beim Komponieren benutzt.

„For The Rest Of My Childhood“ ist das zweite Studioalbum von Helgi Jónsson, 2005 erschien bereits das Debutalbum „Glóandi“. Diesen Monat können wir ihn erneut live erleben. Man muss sich nur aus dem Haus trauen. Wenn der Weg zur Venue auch düster und kalt wird, Helgi wird uns wärmen. Da bin ich mir sicher.

 

Helgi Jónsson auf Tour:

24.11.2009  Zürich – Hafenkneipe

25.11.2009  München – Atomic Cafe

26.11.2009  Wien – B 72

27.11.2009  Köln – Studio 672

28.11.2009  Hamburg – Beatlemania

29.11.2009  Berlin – Admiralspalast 101                                         

05.12.2009  Hamburg – Knust

 

Foto (c) Jonatan Gretarsson

Cover (c) Fastland 2009